♥Teruki's Diary♥ Mechia's Diary♥ Gone with your smile♥ Stuff♥
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Es war ein trüber, grauer Tag in Tokyo und der Regen lag schwer in der feuchten Luft. Die Tür einer alten Kneipe öffnete sich langsam und Reita drang der stickige Zigarettenrauch wie eine Wolke ins Gesicht. Das war die Kneipe, in der er sich heute Abend mit Ruki verabredet hatte, ein Date?

"Eher ein Treffen", hatte Ruki gemeint und Reita hatte daraufhin nur leicht genickt. Jetzt stand er also hier und schaute suchend durch den mit alten vom Zigarettenrauch grau gewordenen Möbeln bestückten Raum. Er schloss die Tür hinter sich, setzte sich in eine Ecke und schaute verträumt, fast glücklich wartend aus dem beschlagenen Milchglasfenster, an dem sich die ersten kleinen tropfen bildeten und sich langsam den Weg nach unten suchten.

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Einen Kilometer weiter entfernt:
Der Sumpf, das Trainingsgebiet der nahegelegenen Millitäranlage, er rief die Seelen, die er verschluckte, im leichten Nieselregen rief sie...

Rukis weit geöffneten Augen starrten fassungslos und etwas anklagend die weiße, kalte Wand des Waschraums an.
Ein erschrecktes Keuchen und Ruki taumelte gegen die Wand in seinem Rücken und sank daran hinab.
Die schwarzgekleideten Schützen verließen den weißen, hellen Raum mit leisen Schritten. Nickten sich zu. Mission done...
Die rote Spur, die Rukis Körper hinterließ, hob sich dunkel von den lang geschrubbten Fliesen ab.
"I..itai...", keuchte Ruki und er sah sich um. Nein, schrie er in seinem Inneren, das kann nicht das Ende sein!
Das Gesicht vor Schmerzen verzerrt, schloss er die Augen. Lächelte sanft. "Gomen Reita...vielleicht ein andermal." Die Worte verhallten in der kalten Stille des Raumes.
Die Atemzüge des Blonden wurden tiefer und die dunkelrote Blutlache größer.
Dann wurde das leise Keuchen eins mit der lautlosen Stille.

Schon eine Stunde wartete Reita jetzt vergeblich auf das einzige, was ihm wirklich etwas bedeutete auf dieser Welt, doch Ruki kam nicht, auch nach zwei Stunden nicht und nach der dritten Stunde stand Reita bedrückt auf und verließ langsam die Kneipe, trat nach draußen in die beißende Kälte des sich schon ankündenden Winters. Seine Schritte hallten noch lange, bis sie im Donnergrolenl der aufziehenden Gewitterwolken verstummten und einen einsamen Zigarettenstummel zurückließen, der mit einem leisen Zischen dem Regen nicht mehr standhalten konnte. In diesem Moment wurde es Reita klar,wie Luftblasen war sein einziger Traum, der ihm noch geblieben war, geplatzt, zersprungen wie Glas.

Der Regen drang durch seine Jacke, doch Reita merkte das nicht. Der leere Blick aus den dunklen Augen schweifte über die regennasse Straße. Das Gefühl, die Gewissheit, dass er etwas verloren hatte, nagte bohrend an seinem Herzen.
Der Bus fuhr vor und Reita stieg ein und bezahlte. Doch alles bekam er nicht mit. Seine Augen schauten in die Ferne, zu Ruki und seinem wunderschönen, blassen Gesicht, das von Blutspritzern überzogen war.
Warum?
Reita hatte es ihm wieder und wieder gesagt. Wieder und wieder gebeten, mit seinem Beruf aufzuhören.
Sein Herz, das Ruki lange Zeit in bloßen Händen getragen hatte, war zerissen...

Der Bus hielt vor dem Haus, in dem die Gruppe schon lange lebte. Er stieg erschöpft aus. Seine Gedanken, er konnte sie nicht mehr fassen, versuchte an die letzten Worte zu denken, die Ruki ihm geschenkt hatte, versuchte sich sein Lächeln vorzustellen, seine Entschlossenheit, die er immer wieder in den leuchtenden Augen gehabt hatte, er versuchte es, doch es gelang ihm nicht, und so ging er langsam weiter zur Tür, schloss sie auf und machte sie leise zu. Am Kleiderständer hielt er sich fest und sank auf die Knie.

"Nein...!!" schrie er laut und auch wenn er wusste, dass dies Ruki nicht mehr zurückbringen würde, schluchzte er.

...warum, warum er, warum nicht ich?....

Es war ihm unbegreiflich wie jemand etwas so Zartes, eine so wundervolle Blume einfach töten konnte, wer, wer würde so etwas tun? Reita konnte es nicht begreifen, aber er war sich sicher, dass derjenige dafür bezahlen würde, ja das würde er und wenn Reita dabei selbst sterben sollte,

"...dann...", dachte er,"...dann bin ich bei ihm, bei meinem wunderschönen Schmetterling, der seine Flügel erhoben hat, Ruki, nimm mich mit, nimm mich bitte mit!" Doch Ruki würde ihn nicht hören!

Uruha hörte Reitas verzweifelten Schrei und kam in den Flur. "Kami-sama! Was ist denn mit dir los...?!" fragte er erschrocken, doch er bekam keine Antwort.
Zunächst nicht.
Reita stand schwankend wieder auf und wollte an Uruha vorbeigehen, als er erneut zusammenbrach. Der schlanke Gitarrist fink Reita auf, rief nach Kai und Aoi.
Die drei verfrachteten den umgezogen Blonden ins Bett, wo er in einen narloseähnlichen Schlaf fiel.
Nie wieder aufwachen wollte er.

Doch die Nachricht sollte auch dem Rest der Band nicht vorbehalten bleiben und so klingelte das Telefon im Rauschen des Regens auf den Fensterscheiben. Uruha nahm den Hörer ab...zuerst zögernd, doch das was er hörte, was er berichtet bekam...Tränen, verzweifelte Tränen rannen über sein Gesicht. Er sah sich nach den anderen beiden um, die jetzt erschrocken die Köpfe hoben. Uruha fiel ihnen in die Arme und ließ den Hörer fallen.

"...hallo....hallo???" Und das dumpfe Tuten war das Letzte, was man in der Stille der Trauer noch hörte, denn auch Aoi und Kai hatten es begriffen, sie hatten begriffen, dass es nie wieder so sein würde wie früher. Ein See aus Tränen und Trauer und das Haus lag still und düster in der unheimlichen Traurikeit und der unbegreiflichen Ungewissheit, was war passiert und wieso, wieso nur?

Fragen über Fragen, unbegreifliche Fragen, und ein Donnern in der Ferne verschluckte alles Schöne in ihren Gedanken, was vorher gewesen war.

Reita blinzelte. Die braunen Augen wanderten zu dem Bett an der gegenüberliegenden Wand, doch es war leer. Nicht einmal benutzt.
Reia schloss seine Augen wieder und fühlte, wie der kalte Schmerz klamm seine Kehle hinaufkroch.
Uruha kam herein, hatte sein Mittagessen auf einem Tablett dabei. Seine Schminke war etwas verlaufen, doch er hielt sich wacker und ignorierte den scharfen Stich in seinem Herzen.
Doch als er wieder Reitas leeren Augen sah, musste er sich zusammenreißen, damit die Flut der Tränen ihn nicht wieder mitriss.
Reita aß lustlos, während Uruha wieder nach draußen ging, noch immer mit den Tränen kämpfend.
Eine Stunde später kam der Blonde wieder zu Reita ab um den Teller in die Küche zu bringen.
Reita saß aufrecht an das Kissen gelehnt im Bett und starrte in den sprühenden Novemberregen.
Uruha rann eine Träne über die Wange und er konnte sie nicht mehr zurückhalten. Die aufgestaute Trauer brach in ihm hervor, doch er setzte sich auf Reitas Bett, lehnte sich gegen den Bassisten und shcluchzte leise vor sich hin.
Reita schien keine Reaktion zu zeigen, was Uruha sehr verletzte. Er konnte nicht weinen. Zu groß war die Kälte, die sein Herz eingefroren hatte.

Eine Kälte, die ihn quälte, die er weiter in sich tragen würde, das wusste er. Uruha stand schluchzend auf, ging nach draußen und schloss zitternd die Tür hinter dem immer noch aufrecht sitzenden Bassisten. Die eigentlich gute Seele der band tapste weiter in die Küche, in der er Aoi und KAi erschöpft vorfand. Sie waren nicht minder betroffen als Uruha und Kai stand auf und nahm den Gitarristen sanft in den Arm.

Uruha schluchzte nur noch mehr, bekam sich nicht mehr in den Griff.

"Was soll ich jetzt machen!? Was sollen wir tun?! Sag was!", schrie der feminine Blonde völlig außer Kontrolle und verstummte in leisen Schluchzen, während seine Beine einzuknicken drohten und sein Körper zitterte. Auf das beruhigende Zureden reagierte er gar nicht mehr und als Aoi ihn nicht mehr halten konnte, brach er auf dem Boden zusammen.
Kai hob ihn erschrocken hoch, bugsierte ihn in sein Zimmer und setzte sich neben ihn auf das Bett. Aoi hatte den Arzt gerufen und als dieser eine halbe Stunde später wieder das Haus verließ, saß Kai immer noch neben Uruha, strich ihm sanft durch das Haar. Er wischte Tränen aus dem verheulten Gesicht und lächelte traurig auf ihn hinunter.

Reita starrte noch immer aus dem Fenster. Er fror. Nicht weil es im Zimmer kalt war. Nein. Er fror von innen heraus. Die Kälte tötete all seine Gefühle ab, fraß sich durch seinen Körper.
Und immer wieder flimmerten ihm die Bilder von Ruki vor den Augen...
"Kai?" frgte Uruha leise. "Hai?", ging Kai auf die Frage ein. "...das Leben wird ohne Ruki weitergehen...nicht?" Bei dieser Frage standen dem Blonden wieder die Tränen im Gesicht.
Kai seufzte leise und sah aus dem Fenster. "Ja...das wird es...und es wird für immer so weitergehen."
Uruha kniff die Augen zusammen, schmiegte sich in Kais Arme, vergrub sein Gesicht in dem T-Shirt des Drummers, weinte stumme, brennende Tränen.
Unten im Badezimmer saß Aoi auf dem zugeklappten Klodeckel und schniefte leise vor sich hin.
Wieder schien die Welt ein Stück düsterer...

Die Tage vergingen, bis zur Beerdigung von Ruki, eine leise, stille Beerdigung, so wie er es sich gewünscht hatte, Blumen, Freunde, Familie und schöne Musik vereint an einem Tag, so hatte er es sich schon vorgestellt, als er noch gelebt hatte, dann hatte Reita immer geschmunzelt, doch jetzt schmunzelte er nicht, erinnerte sich nur daran, was Ruki gesagt hatte und verstummte , wie auch die anderen drei, die am Grab standen und leise trauerten. Und als die Beerdigung vorbei war, war es Reita, der von allen noch am Grab knien blieb und auch Aoi konnte ihn mit seinen verzweifelten und wirklich nur nett gemeinten Versuchen nicht dazu bewegen, mitzugehen. Und so saß er noch lange da und schaute auf die Rosen hinab.

"...Rosen, deine Lieblingsblumen...", flüsterte er leise und eine einsame Träne rann ihm über die Wange.

"Ruki...was musstest du gehen?", flüsterte der Blonde. Ihm rannen Regentropfen den Nacken, wieder war er nass, doch er bemerkte es, wie so vieles nicht.
Aoi kam durch den Regen gelaufen und rief:"Reita, jetzt komm endlich!" und wollte ihn mit sich ziehen, als der Blonde herumfuhr und ihm ins Gesicht schlug. "Lass mich!" fauchte er gereizt. Dann starrte er auf Aoi, der sich seine brennende Wange hielt und leise keuchte. "Reita... du wirst sonst krank!", versuchte er es wieder, wich aber dann vor dem Bassisten zurück.
Wieder stand Reita da, als würde er sich besinnen wollen, dann drehte er sich um und ging durch das Friedhoftor davon.
"Reita...!", flüsterte Aoi wieder. Der Bassist schien nicht zu begreifen wollen, dass der Himmel eben nicht immer blau war...

Mit Tränen in den Augen schaute Aoi noch einmal auf Rukis Grab.

"Ruki, du bist zu früh gegangen!" meinte er und hielt sich die etwas schmerzende Wange, "Reita braucht dich, Ruki, er braucht dich mehr als zuvor! Wir alle brauchen dich!"

Und so ließ auch aoi das nasse Grab hinter sich, das der Regen mit Wasser benetzte.

Reita konnte es nicht verstehen.

...unter der Erde, wie soll er da glücklich werden, wie nur, ich liebe dich doch ruki, ich liebe dich und ich kann es nicht ertragen, das Gefühl, dich unter der Erde verschwinden zu sehen...

Der vor Regen triefende Reita hatte keineswegs vor, wieder zum Haus zu gehen.

"Ich werde dich rächen, Ruki und sei mein Leben in Gefahr, es hat sowieso keinen Sinn mehr ohne dich!" Und er stapfte entschlossen durch den Regen, das letzte Stück seines Herzens hatte er verloren und so wusste er, würde er kein Mitleid mit denen haben, die ihm sein Leben genommen hatten, nein er würde Ruki rächen, und die Wut in ihm stieg mit jedem Schritt, den er tat, eine bleibende Wut, die ihn entschlossener und unberechenbarer als je zuvor machte.

Uruha spürte Reitas Wut, ebenso Kai und Aoi.
Doch niemand hielt ihn auf.

Reita sah sich um. Seine Sinne waren scharf wie noch nie und so gelangte er fast lautlos in den Militärkomplex. Er fand recht schnell einige Waffen, und schlich weiter.
Er war sich sicher, Rukis Lächeln wieder zurückzugewinnen, um jeden Preis. Fast schon besessen war er von seiner Idee, die ihm keine Ruhe ließ und die ihn schon fast quälte. Mit den Waffen in der Hand machte er sich auf den Weg in das Büro der Station um alle Gegner ausfindig zu machen und nach den Zeugenaussagen zu beurteilen, wer es nicht länger verdiente, zu leben.

Bald hatte er sie gefunden.
Das butige Gericht begann.
Die ersten gezielten Schüsse hallten durch die kühle Stille des Raumes, die Alarmanlagen schrillten los, eine Notfalltruppe wurde bereitgestellt.
Der Jäger wurde zum Gejagten.
Reita hatte jene getötet, die es verdient hatten und hatte das getan, was er tun musste. Doch noch immer rannte er um sein Leben.
Er öffnetet eine Tür, rannte in einen Raum hinein und knallte die Tür zu.
Sackgasse.

Weiße Wände, überall weiße Wände...Leben oder Tod? Kein Ausweg! Das war jetzt egal! Rukis Tod war gerächt und jetzt konnte er in Ruhe auch sterben, doch musste es jetzt sein? Ja! Sein Gewissen rief nach ihm.

...ja es muss sein, es muss jetzt sein, was willst du noch hier, was willst du auf diesem gottverdammten Planeten?

Die Tür wurde aufgebrochen. Schüsse durchbohrten seinen gelähmten und von Hass zerfressenen Körper, doch er schrie nicht, keine Träne rann über sein Gesicht, keinen Schmerz erspürte er. Und dann hörte er Rukis zarte Stimme, wie sie nach ihm rief, nach ihm flehte. Die tödliche Stimme, die er immer auf der Bühne hatte...

Er sah Rukis lächelndes Gesicht, so nah als könnte er es berühren, seine zarte weiße Haut anfassen und er lächelte mit ihm.

"Arigatou, arigatou, Ruki, bald bin ich bei dir", hauchte er leise und schloss immer noch lächelnd seine Augen. Draußen nieselten feine, glitzernde Tröpfchen sanft auf das Gras...

Stille.
Es herrschte klingende Stille im Haus der Gazette-Member.
Uruha saß auf seinem Bett im Zimmer, dass er sich mit Kai und Aoi teilte. Gerade kam der sonst so fröhlich Drummer hinauf und setzte sich auf sein Bett.
Aoi blickte von der Fensterbank zu ihm und seufzte leise.
"Glaubst du, sie sind jetzt glücklich?", fragte der Schwarzhaarige die anderen beiden leise.
Uruha nickte, ein paar Tränen benetzten seine Wangen. Aoi lächelte nur und sah wieder nach draußen in den trüben Regen. "Ich glaube...", hauchte Uruha,"ich glaube, es ist gut,was Reita getan hat."

"Ja",nickte Kai dann,"er würde sonst auf ewig von Rukis Stimme heimgesucht werden."
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Vier Monate waren vergangen, die starre Stille, war nach und in eine tiefe Ruhe übergegangen. Die Sonne strahlte vom blauen Himmel auf den Kirschbaum, von dem es Blüten regnete.
Uruha öffnete die Terassentür zum ersten Mal nach dem kalten, grauen Winter und atmete die warme Luft tief ein.
Dann lächelte er und sah zu den tanzenden Blüten, die das Gras benetzten.
Nein...er musste nicht mehr weinen. Uruha schloss die Augen und trat in die blendend helle Sonne hinaus, die ihn von all den Tränen reinwusch.

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